Vorwort


Maria Lucia Weigel über Fritz Fronius "Neue Arbeiten"

Ein alle Lebensbereiche umfassender Kunstbegriff spiegelt sich im Werk von Fritz Fronius. Audiovisuelle Gestaltung, Malerei, Musik, Film und Fotografie sind Medien eines künstlerischen Schaffens, das eine Mittlerfunktion zwischen dem Verwandlungspotential geistiger, ja spiritueller Haltung und den Gegebenheiten der realen Welt einnimmt. Die Arbeit von Fritz Fronius ist zugleich gesellschaftspolitisches Engagement, Kunst dessen sichtbares Zeugnis. Die neuen Arbeiten im malerischen Werk lassen sich unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten zuordnen. Die so entstehenden Serien können, nach zeitlichen Unterbrechungen, unter dem gleichen Blickwinkel fortgesetzt oder in andere Themenbereiche überfuhrt werden. Ein großer Teil der Gemälde ist von offener Figuration geprägt. Die menschliche Figur wird dabei einzeln, zumeist als weibliche Erscheinung erfaßt und in räumliche Verortungen eingebunden. Diese Anwesenheit mädchenhafter Weiblichkeit auf dem Bildträger ist in ein vielfarbig irisierendes malerisches Kontinuum verwoben, das den Bildraum erschließt. In flüchtiger Skizze festgehalten oder in zahlreiche Lagen lasierender Farbigkeit eingebettet, tritt die jugendliche Gestalt in lichthaltigern Inkarnat als Impression eines Augenblicks unvermittelt in den Blick des Betrachters. Verschatteten Interieurs und Architekturen werden in kontemplativer Ruhe versunkene Bewohnerinnen zur Seite gestellt. Die Beschäftigung mit der Erscheinung des Menschen im Bild findet im Erfassen atmosphärischer Nuancen ihren Niederschlag. In anderen Arbeiten gehen Visionen der menschlichen Präsenz im Bild in Licht- und Kraftfelder über, die mit den Mitteln der Malerei in intensive, vielschichtige Farbigkeit übersetzt werden. Hier überwiegt das gestische Element. Bildliche Strukturen verdichten sich zu figürlichen Formulierungen und treten zugleich in das abstrakte Gefüge der Bildstruktur zurück. In weiteren Arbeiten verschränkt sich eine Vielzahl von Malschichten und Bildebenen zu irrealen Räumen, die Figurationen von Mensch und Tier in enigmatischen Kontexten beheimaten. Auratisch erfaßte Gegenstände zelebrieren ihr geheimnisvolles Erscheinen im Bildraum. Die motivischen Formulierungen treten in assoziative Zusammenhänge, sie speisen sich aus dem Bildgedächtnis des Künstlers, das Seheindruck und empfundene Wirklichkeit zueinander in Beziehung setzt.

Maria Lucia Weigel

 

Maria Lucia Weigel über Fritz Fronius "Landmann"

Fritz Fronius ist ein Mittler zwischen den Welten. Seine vielfältigen künstlerischen äußerungen unternehmen es, aus einer visionären Weltsicht heraus Veränderungen menschlicher Realitäten herbeizuführen. Im Dienst einer höheren Ordnung zeichnet der agile Geist des Künstlers seismographisch Entwicklungen und Gefahren der realen Welt auf und weist den Weg in ein gesellschaftliches Engagement, das künstlerische wie politische äußerungen einbindet. Fritz Fronius sieht sein künstlerisches Wirken immer auch als Stellungnahme in gesamtgesellschaftlichem Rahmen. Malerei, Musik, Film und audiovisuelle Gestaltung gehen in seinem Werk fruchtbare Wechselwirkungen ein. Als Visualisierung essentieller Lebensprozesse ist die Malerei sichtbares Zeugnis eines ganzheitlichen künstlerischen Ansatzes. Der Malprozess vollzieht sich aus der inneren Schau empfundener Wirklichkeit heraus, die das Potential einer Veränderbarkeit festgeschrieben geglaubter Welt-Zustände in sich trägt. Die Gemälde von Fritz Fronius stehen im Zusammenhang umfassender Serien, die auch über große Zeiträume hinweg ein bildliches Reservoir für Erweiterungen und Fortsetzungen bereitstellen. Die Landmann-Serie entstand seit 1982 über einen Zeitraum von elf Jahren hinweg. Die Ambivalenz menschlicher Verbundenheit mit der Natur wurde zum Auslöser bildlicher Auseinandersetzung. Einer Kultivierung der Natur durch Menschenhand stehen ihre unbeherrschbaren Kräfte gegenüber. In ihren oft zerstörerischen Entfaltungen liegt jedoch ebenso die reinigende Möglichkeit eines ins Kosmische gewendeten Neubeginns. Auf ausgedehnten Wanderungen in oberbayerischen Landschaften hielt der Künstler sein situatives Erleben in Skizzen und filmischen Notaten fest. In den in der Folge entstandenen Gemälden ereignet sich Gegenständliches in vehementer gestischer Umsetzung einer empfundenen Realität. Filigrane Strichelungen werden zu atmenden Bildgefügen verwoben. Aus der überlagerung zahlreicher lasierender Malschichten erwachsen rhythmisierte Kompositionen, die die Landschaft und Zeugnisse ihrer zivilisatorischen Nutzung in ein bildliches Kontinuum einbinden. Irisierende Farbigkeit und lasierend verdichtete Malerei stehen sich im Spannungsfeld von expressiver Bildstruktur und energetischem Kraftfeld gegenüber. Die rätselhafte Magie, die Feldzeichen und verlassenen bäuerlichen Gerätschaften anhaftet, verweist auf eine transzendente Wirklichkeit jenseits des Sichtbaren.

Maria Lucia Weigel

 

Brigitta Amalia Gonser über Fritz Fronius

Fritz Fronius ist davon fasziniert, seinen weitgehend fließend aufgelösten Kompositionen stets ein metaphorisch oder gestisch abstrahiertes eidetisches Gravitationszentrum zu verleihen. Denn die noch nachvollziehbare ideelle Aussage ist ihm besonders wichtig. So entstehen sowohl im Landmann-Projekt als auch in den Mädchen-Serien entweder nebelhaft verschleierte oder farblich-räumlich fast organisch verdichtete archetypische Gestalten und Formen. Es sind materiell-instrumentale, vegetativ-landschaftliche oder spirituell-metaphysische Erscheinungsbilder der erkundeten bäuerlich ländlichen Existenz und femininen Präsenz. Was Fritz Fronius, bei aller Eigenart, dennoch als Absolventen der ,,Karlsruher Schule" der späten 70er Jahre ausweist, ist eben die dominierende expressive Malgeste seiner großformatigen Bilder. Fritz Fronius Landmann-Projekt ist ein exemplarisches Kunstmodell aus und für den ländlichen Raum, eine faszinierende, ihm seit frühester Kindheit schon vertraute Welt, die ihn nicht mehr loslässt: die ländliche Lebenssphäre und das Wirkungsfeld des Bauern.

 

Brigitta Amalia Gonser about Fritz Fronius

It fascinates Fritz Fronius to offer a metaphorical or gestural abstracted eidetical centre of gravitation to his mostly flowing dessolved compositions. Because he attaches importance to the comprehensible ideatic message. So, there are archetypical shapes and forms, either mysterious or pictorial, nearly organic dense, both in the Landman-Project and in the Girls-Series. There are material-instrumental, vegetative-landscape-like or spiritual-metaphysical images and phenomena of the explored farmer and rural existence and feminine presence. The dominant expressive pictorial gesture of his great pictures identifies Fritz Fronius, in spite of his peculiarity, nevertheless as a graduate of the "Karlsruhe School" of the late seventy's. Fritz Fronius' Landman-Project is an exemplary art model from and for the rural space. It is a fascinating world, familiar to him since his childhood, she don't let him go: the rural and farmer sphere of living and of activity.

Brigitta Amalia Gonser
Kunstwissenschaftlerin